Gemeindebriefe – verteilen oder nicht, das ist hier die Frage…

Gemeindebriefe sind ein wichtiges Kommunikationsmittel im Alltag der Kirchengemeinden. Ist dieser Kommunikationsweg in der aktuellen Zeit noch zu halten? Wir schauen, was dagegen spräche und wieviel eigentlich dafür spricht, Gemeindebriefe weiterhin zu drucken und zu verteilen.

Keine Termine – kein Gemeindebrief?

Vieles ist abgesagt. Termine finden nicht mehr statt und fallen aus. Dies könnte eines der Argumente sein, die dafür sprächen, Gemeindebriefe auszusetzen.

Ältere sollen sich schützen – kein Gemeindebrief, weil die Austräger*innen ausfallen?

In vielen Kirchengemeinden tragen normalerweise Ältere ehrenamtlich die Gemeindebriefe aus. Nun sind es die Älteren, die angehalten sind, sich zu schützen und besonders gut auf sich achtzugeben. Einige Ältere haben vielleicht Bedenken, jetzt noch Gemeindebriefe auszutragen und vor die Tür zu gehen. Diese Sorgen sollten wir ernst nehmen und respektieren.

Grundsätzlich wird auf der anderen Seite auch empfohlen, dass Spaziergänge und Bewegung an der frischen Luft durchaus gut fürs Wohlbefinden und die Gesundheit sind. Beim Einwerfen in die Briefkästen und beim draußen Spazieren sind die Mindesabstände zu anderen Menschen einzuhalten und das könnte beim Austragen von Gemeindebriefen durchaus möglich sein.

Das Risiko eines schweren Krankheitsverlauf bei einer Coronainfektion beginnt ja bereits ab einem Alter von 50 Jahren zu steigen. Vorerkrankungen wie z.B. Diabetis oder Herz-Kreislauferkrankungen führen auch zu einem erhöhten Risiko. Falls die älteren Gemeindebriefausträger*innen – wir sprechen hier von Menschen ab 50 Jahren und älter – sich diese Tätigkeit also noch zutrauen: Wir sollten sie nicht gleich davon abhalten.

Was wir aber auf jeden Fall tun sollten: Jeden Einzelfall gemeinsam sehr gut abwägen, die Rahmenbedingungen und die Verfassung der freiwilligen Person anschauen und bei einem dann noch vorliegendem "Ja" zum weiteren Austragen sollten wir mit ihnen zusammen genau überlegen, wie sie sich so gut wie möglich beim Austragen vor einer Ansteckung schützen. Der Schutz muss einfach Priorität haben.

Es gibt noch Alternativen:

  • Vielleicht finden sich auch andere Menschen, die nicht zur Risikogruppe gehören und die ehrenamtlich diese Aufgabe (vorübergehend) übernehmen möchten? Auch mit ihnen sollte man überlegen, wie sie diese Tätigkeit geschützt ausüben können.
  • Einige Kirchengemeinden versenden den Gemeindebrief jetzt mit der Post. Martina Jakubek, unsere Kollegin vom Forum Alter & Generationen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, regt an sich die Frage zu stellen: Vielleicht sind es uns besonders die älteren Menschen wert, in einen Postversand zu investieren?
     

Foto: Mathyas Kurmann | Unsplash

Gemeindebriefe halten Verbindung und sind damit wichtiger denn je

  • Martina Jakubek gibt auch zu bedenken, dass der Gemeindebrief mehr ist als ein Terminkalender. Er sei eines der wesentlichsten Instrumente, um unseren Mitgliedern zu zeigen, dass wir füreinander da sind. Der Gemeindebrief könne vermitteln, dass es noch „normale Abläufe“ gibt, er könne dann auf Seelsorge und auf praktische Hilfe hinweisen. Persönliche Texte geben der Sehnsucht nach Halt Worte und lassen spüren, was es bedeuten kann, füreinander zu beten.
  • In der Kirchengemeinde Niendorf wird gerade geplant, den nächsten Gemeindebrief mit völlig anderem als dem gewohnten Inhalt schon sehr bald zu drucken. Arbeitstitel: Notausgabe.

 

Statt Termine – Was in einem Gemeindebrief noch so Platz finden könnte

  • Hinweise zu praktischen Hilfsangeboten in der Kirchengemeinde
  • persönliche Texte
  • mutmachende Worte
  • Anregungen zu Bewegungsübungen für zu Hause oder draußen
  • Anregungen zu Beschäftigungsideen
  • Hinweise zum Schutz vor Ansteckungen
  • Alternativen für Kontakte über z.B. Telefonketten oder andere Wege

 

► Welche Ideen und Erfahrungen haben Sie mit Ihren Gemeindebriefen in der aktuellen Lage? Schreiben Sie uns und wir ergänzen es gern.