Kurzgefasst: Alte Menschen sind unterschiedlich, auch in der Corona-Krise

Im Folgenden haben wir das „DZA-Fact Sheet: Alte Menschen sind unterschiedlich, auch in der Corona-Krise“ in 18 zentralen Punkten kurzgefasst.

Das Factsheet wurde von Clemens Tesch-Römer, Claudia Vogel, Markus Wettstein und Svenja M. Spuling verfasst und ist am 06. April 2020 beim Deutschen Zentrum für Altersfragen erschienen.

 

Grundsätzliches

  • Das Alter umfasst Menschen von 60 bis über 100 Jahre.
  • „Die“ Älteren gibt es nicht. Menschen mit 60, 70, 80 oder 90 Jahren unterscheiden sich. Aber auch Menschen im gleichen Alter unterscheiden sich deutlich.
  • Die Unterschiede zwischen älteren Menschen treten in verschiedenen Bereichen auf, z.B. beim Wohlbefinden, Lebensstil, Bildung, Einkommen und Vermögen, Geschlecht.

 

Kern-Frage des Papiers

  • Wie unterscheidet sich funktionale Gesundheit nach Alter und Bildung?
  • Die funktionale Gesundheit wird gemessen an den Fähigkeiten zu heben/zu tragen, Treppen zu steigen, sich zu beugen oder zu knien oder zu bücken, zu Fuß zu gehen, sowie sich zu baden und anzuziehen.

 

Datengrundlage

  • Die Daten-Grundlage ist der Deutsche Alterssurvey, der über mehrere Jahre Personen ab 40 Jahren (= 2. Lebenshälfte) zu verschiedenen Themen befragt. Zu den abgefragten Bereichen gehören u.a. Erwerbstätigkeit und Leben im Ruhestand, gesellschaftliche Teilhabe und Ehrenamt, Einkommen und Vermögen, soziale Integration und Einsamkeit, Gesundheit und Lebenszufriedenheit.

 

Ergebnisse

  • Über die Altersgruppen hinweg nimmt der Anteil an Personen mit einer sehr guten funktionalen Gesundheit ab.
  • Frauen haben im Durchschnitt seltener eine gute funktionale Gesundheit.
  • Personen mit einer geringen Bildung haben ebenfalls seltener eine gute funktionale Gesundheit.
  • Bildung scheint mehr Einfluss zu haben als das Alter. Betrachtet man vier Altersgruppen von je 10 Jahren (zwischen 45-84 Jahre) und teilt jede Altersgruppe noch einmal nach ihrer Bildung in drei Gruppen (niedrige, mittlere, hohe Bildung), dann zeigt sich auch in den einzelnen Altersgruppen, dass die Gesundheit mit dem Grad der Bildung steigt. Das spannende: Bildungsunterschiede könnten sogar Alterseffekte umkehren: Mehr Menschen in der höchsten Altersgruppe (75-84 Jahre) mit hoher Bildung haben eine gute funktionale Gesundheit ( hier sind es 64%) als Personen in jüngeren Altersgruppen (55-64 und 65-74 Jahre) mit niedriger Bildung ( hier sind es nur 46,6 und 59,8%).

 

Schlussfolgerungen

  • Pauschale Aussagen über das Alter wie „alle alten Menschen haben einen schlechten Gesundheitszustand" sind aufgrund großer Unterschiede zwischen als auch innerhalb aller Altersgruppen nicht zutreffend.
  • Pauschale Aussagen sind gefährlich. Sie stigmatisieren das Alter und sind eine Form der Altersdiskriminierung.
  • Soziale Ungleichheiten erklären Unterschiede zwischen Menschen oftmals besser als das kalendarische Alter. So haben Bildung, Einkommen und Vermögen erhebliche Auswirkungen auf die soziale Integration, häusliche Versorgung, Unterstützung in Pflegesituationen und gesellschaftliche Partizipation.
  • Soziale Unterschiede können sich aufgrund der Corona-Pandemie verschärfen.

 

Was zu tun ist

  • Es ist grundsätzlich falsch, pauschale Aussagen zu älteren, alten und sehr alten Menschen zu machen.
  • Hilfebedarfe spezifischer Gruppen sollten bedacht werden: sehr alte Frauen (80 Jahre und älter), Menschen mit niedriger Bildung, Menschen mit geringem Einkommen und vor allem jene, auf die mehrere dieser Merkmale (z.B. weiblich + über 80 Jahre alt mit geringer Bildung + mit geringem Einkommen) zutreffen, sind besonders bedroht von Risiken in Bezug auf ihre Gesundheit oder die Versorgung mit z.B. Lebensmitteln oder Medikamenten.
  • Alleinlebende Ältere mit eingeschränkter funktionaler Gesundheit, geringem Einkommen und niedriger Bildung haben eher Zugangshindernisse für eine alternative Unterstützung über das Internet oder online-Lieferdienste für Waren/Lebensmittel. Telefonisch erreichbare, kommunale Kontaktstellen könnten bei erneuten Kontaktsperren Alternativen sein.
  • Pflegende Angehörige gehören zu einer sehr stark belasteten und zugleich sehr wichtigen Gruppe der Gesellschaft. Sie müssen vorrangig unterstützt werden, damit die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen in den Familien in Deutschland sichergestellt ist.

 

Das komplette Fact-Sheet "Alte Menschen sind unterschiedlich, auch in der Corona-Krise" gibt es auf den Seiten des DZA hier zum Download.