Telefonbrücke

Dies ist eine Idee, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eines Seniorenwohnheims Kontakt aufzunehmen und verbunden zu bleiben, um einer drohenden Vereinsamung entgegenzuwirken und um einen christlich-spirituellen Raum anzubieten.

 

Mit der „Telefonbrücke“ versucht Cornelia Engler, Mitarbeiterin für Seelsorge und soziale Betreuung im Schilling-Stift in Hamburg-Iserbrook, sowohl Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern herzustellen, als auch eine „Ersatzlösung“ für die sonst mehrfach in der Woche stattfindenden Andachten und Gottesdienste in dem christlichen Seniorenwohnheim zu finden, die nun ausfallen müssen.

In der „Herzenssprechstunde" hat Cornelia Engel immer ein offenes Ohr für alle Herzensangelegenheiten.

Foto: Cornelia Engler

Die erste Kontaktaufnahme

Die erste Kontaktaufnahme erfolgte über einen Brief. Den Brief gab es in zwei Varianten:

  • einen Brief, der behutsam, aber auch konkret zum Beten ermutigt und Ideen dazu an die Hand gibt und
  • einen anderen Brief, der wie eine „Herzenssprechstunde“ einlädt, darüber nachzudenken, was einen momentan alles auf dem Herzen liegt.

 

Beide Briefe enthielten die Einladung, sich telefonisch zu melden. Jedoch griff kaum jemand der Bewohnerinnen und Bewohner zum Telefonhörer. Daher rief Cornelia Engler nun bei ihnen an und machte die Erfahrung, dass sich der Brief als Türöffner erwies.

Neue Rollenfindung

Bisher kannten die Bewohnerinnen und Bewohner Cornelia Engler von den Andachten und Gottesdiensten, an denen sie teilgenommen haben. Sie waren in der Rolle der Teilnehmenden, Mitfeiernden und Zuhörenden, ohne einzeln in Erscheinung zu treten. Nun aber gehen sie mit der „Telefonbrücke“ in Kontakt: in einen Ein-zu-Eins-Kontakt. Da braucht Anlauf und Eingewöhnung, um sich in diesem neuen Kontaktraum einzufinden. Und das scheint gelungen zu sein, denn die Initiatorin beschreibt, dass es von Telefonhörer zu Telefonhörer eine Art „vertrautes Wohnzimmer“ gibt.

Die Telefonbrückengespräche ermöglichen nicht nur den Austausch und das Gespräch, sondern auch kleine Telefonandachten.

Foto: Cornelia Engler

Ausgestaltung eines „Telefonbrücken-Gespräches“

Die „Telefonbrücken-Gespräche“ haben zwei Schwerpunkte: Austausch und Gespräch und eine kleine Andacht, wenn es gewünscht ist.

  • Austausch und Gespräch

Anknüpfungspunkt ist, wie es der Gesprächspartnerin, dem Gesprächspartner in der vergangenen Woche ergangen ist, wie es gesundheitlich geht und was die einzelnen persönlich bewegt.

Bei diesem Erzählen schlagen die alten Menschen oft ganz selbstverständlich eine Brücke zu all dem, was sie früher in ihrem Leben schon bewältigt und überstanden haben. Auf diese Weise schaut man nicht in vergangenen Zeiten zurück, sondern dockt an Ressourcen an, die jetzt auch in dieser schwierigen Zeit Kraft geben können.
Wichtig ist es, den Menschen hier aufmerksam und wertschätzend zuzuhören und einen Raum zu bieten, wo sie diese kraftvolle Erinnerung ins Wort und ins Hier und Jetzt bringen können. Wer über diese „Ressourcen-Brücke“ nicht von sich aus geht, den könnte man durch eine Impulsfrage dazu anregen, den Blick auf das zu werfen, was man in früheren Situationen wie bewältigt hat.

 

  • Eine kleine Telefonandacht

– Biblischer Impuls in Form der Tageslosung oder ein Textes mit biblischem Bezug und eine kleine Auslegung

– gemeinsame Sprechen des Vater unsers

– ein Gebet, bei dem die Gesprächspartnerin, der Gesprächspartner namentlich einbezogen wird

– Fürbitte für das Seniorenwohnheim, für alle Bewohnerinnen und Bewohner, für die Mitarbeitenden, für die Verantwortungsträger und für alle, die dazu beitragen, die derzeitige Krise zu bewältigen

– Segen

Dann verabschiedet man sich und vereinbart, wenn es gewünscht ist, einen neuen Termin für ein „Telefonbrücken-Gespräch“.

            Kontakt: telefonbruecke@caengler.de