Ehrenamtliche in der seelsorglichen Besuchsarbeit

Pastorin Heide Brunow aus dem Bereich Seelsorge im Alter im Kirchenkreis HH-Ost berichtet von Erfahrungen mit einem Modell, das in der Corona-Krise trägt.

Seel-sorge

Seel-sorge – sorgsam mit der eigenen Seele und mit der Seele des Gegenübers umgehen, eigene Bedürfnisse und die Bedürfnisse des Gegenübers wahrnehmen, in Beziehung treten und diese Begegnung im Lichte Gottes wirken lassen, sich selber und andere auf einem Weg durch die Höhen und Tiefen des Lebens verstehen und darin Hoffnung auf Wachstum, Veränderung und Frieden hochhalten. Seel-sorge das ist gerade in Zeiten von Veränderungen, von Unsicherheit und Krise hilfreich. Seel-sorge ist von alters her eine genuin kirchliche und priesterliche Aufgabe.

 

Hier braucht es einen Perspektivwechsel

Für unser Leben in Kirche und Gemeinde kann die Implementierung der Seelsorge Ehrenamtlicher eine große Chance für  vertiefte mitmenschliche Begegnungen und damit auch Nachbarschafts- und Gemeindeentwicklungen sein. In den vergangenen Jahren wurden im Kirchenkreis Hamburg Ost mit neun hauptamtlichen Seelsorger*innen und weiteren Gemeindepastor*innen ca. 200 Ehrenamtliche in der Seelsorge ausgebildet. Gerade jetzt in der Krise machen sie einen wirklich guten Job. Viele halten die Verbindung zu alten Menschen in Heimen und auch in der Häuslichkeit durch Telefonate, Briefe oder gemeinsame Spaziergänge lebendig. Hierzu im Folgenden zwei Beispiele…

 

2 Ideen für ehrenamtliche Seelsorge:


1. Die Klönschnack-Hotline

Die Idee kam Maren Fuehr, Friedhofsverwalterin in Tangstedt und ausgebildete ehrenamtliche Seelsorgerin, weil sie in ihrem Dorf den Bedarf gerade jetzt in der Krise wahrnahm:

Maren Fuehr ist eine drei Ehrenamtlichen an der Klönschnack-Hotline

Foto: Maren Fuehr (privat)

  • Insbesondere ältere Menschen ziehen sich aus Angst vor einer Ansteckung zunehmend zurück. Erschreckend, wenn eine ältere Dame sagt: Ich habe seit mehreren Tagen mit niemandem gesprochen.
  • Der Klönschnack über den Gartenzaun, auf den Spazierwegen,  beim Einkaufen, das Reden über  das Wetter oder einfach das Hören einer menschlichen Stimme, dies alles ist plötzlich weggebrochen.
  • Die Scheu bei der Seelsorge-Hotline anzurufen, ist für viele sehr groß. Aber ein Klönschnack, das ist es, was im Alltag fehlt. So war die Idee geboren.

Maren Fuehr sitzt nun gemeinsam mit zwei weiteren Helferinnen, ebenfalls in Seelsorge ausgebildet, für 2 Stunden in der Woche an der Klönschnack-Hotline. Eine gute Idee in diesen Zeiten, in der neben Corona  die wachsende Einsamkeit eine weitere Gefahr mit sich bringt.

Erfahrungen und Anregungen stellt Maren Fuehr gern zur Verfügung:
Tel.: 04109/250 318
E-Mail: friedhofsverwaltung(at)kirche-tangstedt.de

 

2. Früher "Spielenachmittag", jetzt "Spaziergang"

Einmal die Woche verbringt Frau Franke einen Nachmittag in der benachbarten Seniorenresidenz und spielt mit Bewohnern Mensch-Ärger-Dich-nicht.

Nun hatte sie sich bei mir, Pastorin Heide Brunow, für eine Fortbildung für Ehrenamtliche Seelsorger*innen angemeldet. Ein aufwändiges Projekt: Ein Jahr mit Unterricht, Selbsterfahrung, mit eigener religiöser Vergewisserung und Sprachfähigkeit, Auseinandersetzung mit Gebrechlichkeit, mit Sterben, Tod und Trauer, Auseinandersetzung mit psychologischem Wissen und Kommunikation. Dazu kam ein Praktikum sowie Supervision. In dem Vorgespräch für diese Ausbildung fragte ich sie, welche Motivation und welche Perspektive sie für ihr künftiges Engagement habe. Sie antwortete: keine, sie wolle weiterhin den Spielenachmittag gestalten. Aber sie erlebt immer wieder, dass es am Rande Gesprächsbedarfe gibt, die sie verunsichern. Die Ausbildung liegt nun 2 Jahre zurück. Sie berichtet, dass sich die Gespräche auch „zwischen Tür und Angel“ verändert und vertieft haben. Jetzt in der Zeit der Corona Krise bietet sie Spaziergänge mit ausreichend Abstand und Mundschutz mit ihren Spielepartner*innen an.

 

Kontaktdaten von Pastorin Heide Brunow:
E-Mail: h.brunow(at)kirche-hamburg-ost.de