Gut für sich – und damit auch für andere – sorgen

Überlegungen, was einem in dieser außergewöhnlichen Zeit gut tun könnte und zuversichtlich sein lässt

Sich an völlig neue, ungelernte, gewöhnungsbedürftige Situationen anpassen müssen

Alte Menschen haben uns etwas voraus: Sie haben Erfahrung, wie das ist, wenn der Lebensrahmen kleiner wird, manches nicht mehr wie früher geht und man sich auf eine ganz neue, völlig ungewohnte Lebenssituation einzustellen hat.

Das alles erleben wir jetzt und zwar generationenübergreifend und generationenverbindend. Auch wenn unsere Lebenssituationen und Lebensalter je verschieden sind, so sind wir alle in dieser außergewöhnlichen Zeit aufgefordert, uns auf völlig neue, ungelernte und gewöhnungsbedürftige Situationen einzustellen. Was könnte uns, was könnte mir Halt geben, gut tun und hilfreich sein? Wer gut für sich sorgt, trägt auch etwas dazu bei, anderen wohlzutun.

Was uns gut tut

Foto: Xevi Casanovas | Unsplash

Ideen für die Selbstfürsorge

Wir stellen ganz unsortiert und fragmentarisch einige Überlegungen zusammen – nehmen Sie es als Anregung und finden Sie Ihr Eigenes…

  1. Schaffen Sie sich eine neue Struktur und passen Sie diese den sich stets verändernden Bedingungen an! Neu strukturiert werden wollen Tag und Woche, aber auch gewohnte Abläufe, Räume, das Arbeiten und Ruhen, die Wege, die Einkäufe, das Miteinander-Leben und das Allein-Leben. Struktur gibt Halt, Orientierung. Struktur hilft, sich zurechtzufinden und sich nicht gehen zu lassen.
  2. Haben Sie Rituale – wiederkehrende Elemente! Es wird Rituale geben, die Sie „aus der Zeit vor Corona“ beibehalten werden. Andere sind neu zu entwickeln. Wieder andere vermissen Sie vielleicht schon sehr – oder freuen sich, wenn Sie diese irgendwann wieder aktivieren können. Es könnte sein, dass Sie auch das eine oder andere neue Ritual vielleicht in der Zeit nach der Krise beibehalten werden, weil sie es liebgewonnen haben.
  3. Halten und pflegen Sie Kontakte, auch wenn wir alle körperlich deutlich auf Abstand gehen, wenn wir uns nicht in gewohnter Form treffen können, wenn Veranstaltungen ausfallen. Die einen nutzen die neuen Medien noch mehr als früher, andere beginnen, sich erstmals darin zu üben und werden auf vielfältige Weise „gecoacht“. Enkel entwerfen Installations- und Bedienungsanleitungen. Aber warum nicht auch auf „Altes“ wieder zurückgreifen und mit der Hand eine Karte oder einen Brief schreiben? Miteinander über Festnetz telefonieren. Telefonketten aufbauen. Eine Liste mit Kontakten erstellen. Überlegen, wem ein Anruf gut tun könnte. Nachfragen, ob alles in Ordnung ist. Kontakte von früher reaktivieren – mir jedenfalls geht es so, dass ich an ganz viele Menschen denke, mit denen ich lange keinen Kontakt hatte. Not verbindet!
  4. Das Selbstverständliche wird uns leider oft erst bewusst, wenn es uns abhandenkommt. So auch jetzt. Was habe ich alles so selbstverständlich genommen. Doch auch jetzt gibt es noch Vieles, was ich schätzen kann, auch jetzt gibt es noch Dinge, die selbstverständlich sind – machen wir uns das immer wieder bewusst, wenn Mutlosigkeit einziehen will, der Rahmen enger wird, wir krank sind.
  5. Nicht nur das Selbstverständliche wieder schätzen lernen, sondern das Leben wertschätzen; wir spüren, glaube ich, gerade ganz neu, wie kostbar das Leben ist, aber auch wie verletzlich.
  6. Man kann versuchen das, was man jetzt schon vermisst, in Vorfreude und Sehnsucht umzuwandeln und auf Hoffnung hin zu leben.
  7. Aufmerksam für sich selber gut sorgen (Selbstfürsorge) und ebenso auf vielfältige Weise auf andere achthaben.
  8. Sich darin üben, „nur für heute“ zu leben – ganz nach der Lebensregel von Papst Johannes XXIII oder nach der Bergpredigt, wo es heißt: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ (Matthäus 6,34)
  9. Sich kleine Ablenkungen gönnen, um aus dieser angstmachenden „Coronaschleife“, wenn auch nur für kurze Zeit, mal wieder rauszukommen.
  10. Neuen Gedanken und Ideen Raum geben.
  11. Andere Wege gehen – nicht nur im übertragenen Sinn, auch körperlich am eigenen Ort oder im Quartier. Wir verlassen gerade ja die gewohnten Wege. Wie fühlt sich das an, auch einmal eine andere Straße langzulaufen, einen anderen Spazierweg zu wählen?
  12. Die ungewollte Verlangsamung des Lebens, die gewonnenen FreiRäume nutzen, sich auf wesentliche Dinge zu besinnen, nachzudenken.
  13. Bilanz ziehen, den Standort bestimmen: Wo stehe ich, wo komme ich gerade zum Stehen?
  14. Nach innen gehen.
  15. Das Kochen und gemeinsame Essen pflegen und vielleicht wieder ganz neu entdecken. Rezepte ausprobieren. Die Kochdüfte im Treppenhaus einatmen.
  16. Schreiben. Festhalten, was einem durch den Kopf geht. Tagebuch schreiben. Sich etwas von der Seele schreiben. Worte finden. Karten schreiben. Briefe schreiben. Ein „Haiku“ oder „Elfchen“ schreiben.
  17. Das in der Wohnung oder im Garten tun, was man schon lange auf dem Zettel hatte, aber nie Zeit dazu hatte. Ich vermute, dass viele unserer Schränke nach der Krise aufgeräumt und ausgemistet sein werden.
  18. Endlich mal wieder ein Buch lesen.
  19. Spielen – in der Familie, mit dem Menschen, mit dem ich zusammenlebe oder auch alleine. Puzzeln.
  20. Singen, musizieren, Musik hören. Mit Hoffnung und Zuversicht von den Balkonen singen. Singen macht Mut, Singen stärkt die Abwehrkräfte.
  21. Versuchen, den Tag hoffnungsvoll zu begrüßen – wir wissen nie, was kommen wird.
  22. Tagesrückblick halten: wertschätzend, dankend, bittend für sich, für andere, für die Welt, Sorgen ablegen.
  23. Psalmen lesen, betrachten, beten, z.B. Psalm 121
  24. Und wahrscheinlich ist Dankbarkeit ein ganz wesentlicher Schlüssel!

 

► Was tut Ihnen gut? Was schenkt Ihnen Zuversicht? Schreiben Sie uns und wir ergänzen es gern.