Nachbarschaftshilfen sprießen überall aus dem Boden

Es ist so wunderbar zu sehen, wie seit Wochen vielerorts Nachbarschaftshilfen entstehen. Einige Beispiele, Ideen und Möglichkeiten haben wir hier gesammelt.

Viele Kirchengemeinden, Initiativen und Verbände, aber auch Einzelpersonen organisieren Nachbarschaftshilfen. Täglich liest und hört man darüber, Aufrufe werden gestartet, Möglichkeiten der Organisation und Durchführung entwickelt.

Wir berichten in diesem Artikel von einigen dieser Beispiele, es gibt eine kleine Liste für Hilfe-Möglichkeiten im Internet, wir hören etwas über die Viefalt von Kommunikationswegen und geben zu bedenken, dass wir nicht aufhören sollten zu ermutigen, Hilfe auch anzunehmen.

Nachbarschaftshilfen - Ideen und Initiativen sprießen überall aus dem Boden

Foto: Milada Vigerova | Unsplash

Einiges, was wir hören, lesen oder was uns direkt mitgeteilt wurde:

  • Viele Kirchengemeinden entwickeln Aktionen, bei denen sich Menschen vernetzen, die Einkaufshilfe benötigen und solche, die ihre Mithilfe anbieten wollen. Man kann sich im Kirchenbüro oder bei entsprechenden Mitarbeitenden telefonisch, per E-Mail oder über eine extra dafür eingerichtete Telefonnummer melden.
     
  • Nachbarschaftshilfe-Einkaufprojekt im Stadtteil
    Vielerorts bringen Kirchengemeinden gemeinsam mit anderen Partnern eine Hilfeaktion auf den Weg. Ein Beispiel dafür, das uns erreichte, kommt aus Hamburg-Eilbek. Dort hat die Kirchengemeinde Eilbek Friedenskirche-Osterkirche zusammen mit dem Stadtteil ein Nachbarschaftshilfe-Einkaufprojekt über ihre jeweiligen Websites ins Leben gerufen. Diakonin Sigrid Paschen berichtet, dass die Kirchengemeinde darüber hinaus auch alle Gemeindeglieder ab 65 Jahren mit einem Brief über dieses Angebot informiert hat. Somit erreicht das Angebot auch diejenigen, die keinen Zugang zum Internet haben.
     
  • Ein Bürgertelefon für Nachbarschaftshilfe
    Ähnlich hat es die Gemeinde Kronshagen bei Kiel gemacht. Etwa ein Drittel der Kronshagener Bürgerinnen und Bürger ist über 60 Jahre. Die Stadt hat fürNachbarschaftshilfen ein Bürgertelefon eingerichtet, das über Briefe bekannt gemacht wurde, die an alle Haushalte gingen. Pastor Sascha Lohmann von der Christuskirche hat etwa 60 Konfirmandinnen und Konfirmanden und einige Eltern zusammengetrommelt, die in Windeseile die Briefe an alle Haushalte verteilt haben. „Eine super Aktion der Konfirmanden“, lobte Uwe Hartwig, Vorsitzender des Kronshagener Seniorenbeirats.
     
  • Nebenan.de – regionale Hilfe über eine Internetplattform
    Nebenan.de ist eine Internetplattform, die es mittlerweile in vielen Städten und Orten gibt und die Menschen in Nachbarschaften und Stadtteilen miteinander verbindet um einander zu unterstützen. Die Plattform benötigt eine Anmeldung mit Klarnamen für mehr Vertrauen. Schon seit Wochen bieten viele Menschen in diesem Nachbarschaftsnetzwerk ihre Hilfe an oder haben dort Gruppen gebildet, um die Hilfe besser koordinieren zu können.
    Für Menschen ohne Computer gibt es die Möglichkeit die Nummer 0800-866 55 44 (kostenlos) anzurufen und bei einer Art Anrufbeantworter ein Hilfegesuch und ihre Telefonnummer zu hinterlassen. Noch nicht registrierte Nutzer*innen können ein Hilfegesuch auch direkt hier online eintragen: https://nebenan.de/corona Egal ob telefonisch oder über die eben genannte Webseite: Das Hilfegesuch wird dann in ihrem Stadtteil/Ort bei Nebenan.de online gestellt und Mitglieder von Nebenan.de können sich bei dem/der Hilfesuchenden telefonisch melden.
     
  • Online im regionalen Einzelhandel bestellen – Ehrenamtliche liefern aus
    Auch junge Menschen oder Selbständige starten Initiativen, über die in der lokalen Presse berichtet wird und deren Kontaktdaten dort abgedruckt sind – wie z.B. in Kiel die „Kieler Helden – gemeinsam Kiel versorgen“.
     
  • Per Ansichtskarte den Nachbarn Hilfe anbieten
    Eine Frau hat in einem Mietshaus allen Mitbewohnerinnen und -bewohnern eine Ansichtskarte in den Briefkasten geworfen mit ihren Kontaktdaten (Festnetz, Handy, E-Mail), falls jemand Hilfe und Unterstützung benötigt.

 

Weitere online-Plattformen und Ideen im Internet für Nachbarschaftshilfe

Im Internet gibt es allerhand Anregungen für Nachbarschaftshilfe

Foto: Andrew Neel | Unsplash

  • Quarantäne Helden – Hilfegesuche als auch Hilfesangebote wie bei Botengängen, Einkaufen und Gassigehen können nach PLZ online eingetragen werden. Die Website bietet auch Vordrucke für Aushänge im Hausflur, mit denen Nachbarschaftshilfe vor Ort angeboten werden kann. Diese Aushänge gibt es in mehreren Sprachen.
  • Lass Helfen – Druck dir einen Einkaufszettel für deinen Hausaufgang aus.
  • WeMake – Eine App, die angeblich erste Share-Economy-Plattform, ermöglicht deine Hobbys, Hilfen, Kompetenzen, Leidenschaften bis hin zu Talenten und Berufungen anzubieten und so auch Unterstützung vor Ort zu organisieren.
  • Ebay Kleinanzeigen – bietet jetzt auch für Gesuche und Angebote eine Rubrik „Nachbarschaftshilfe“.
  • Proud2help – Digitale Unterstützungsplattform um hilfesuchende Menschen in deiner Umgebung anzuzeigen.

 

Die Mischung machts…  Nachbarschaftshilfe online – per Teleon – analog

Patrick Ney, Projektmanager zum Thema Digitalisierung bei der Stadt Hannover im Fachbereich Senioren, hat über die letzten Jahre viel Erfahrung gesammelt zum Thema Digitalisierung in Verbindung mit den Bereichen Ehrenamt, Bildung und auch Pflege. Er findet die Entwicklungen von Internetplattformen für Nachbarschaftshilfe sehr spannend und hat vieles davon selbst ausprobiert und einiges mit begleitet. Zu bedenken gibt er, dass viele online-Plattformen meist nur in deutscher Sprache verfügbar seinen oder dass es Menschen – wie etwa auch viele Ältere – gibt, die nicht im Internet unterwegs sind. Er plädiert dafür, von den Hilfesuchenden ausgehend zu denken und dass wenn möglich, immer verschiedene Kommunikationswege (online, per Telefon, analog …) für Nachbarschaftshilfe verfügbar sind. Nur so können die vorhandenen Hilfebedarfe angemessen wahrgenommen werden.

 

Die Hilfe annehmen

Die Hilfe läuft an. Menschen wollen sich engagieren. Sigrid Paschen berichtet, dass sich viele schon auf das Angebot in Hamburg-Eilbek hin gemeldet haben: „Es gab schon eine Vielzahl an freundlichen Kontakten; jeder schon ein Wert für sich. Einige haben schon einen konkreten Einkaufswunsch, andere wollen sich für das Angebot bedanken und bei Bedarf später darauf zurückkommen.“

Und doch: Vielen fällt es sicherlich auch nicht leicht, um Hilfe zu bitten und Hilfe anzunehmen. Hören wir nicht auf zu ermutigen – Hilfe brauchen wir alle immer wieder einmal und jetzt umso mehr.

 

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