Eine Art „SeelSorge“: Spaziergang und „Geh-spräch“ zu zweit tun der Seele gut

In der jetzigen Situation machen viele Menschen Spaziergänge – nicht nur die, deren Leben sich momentan verlangsamt hat und denen mehr freie Zeit zur Verfügung steht. Es tut einfach gut, rauszugehen, sich zu bewegen und unterwegs zu sein. Damit stärken wir unser Immunsystem und tun unserer Seele Gutes.

Wie gut, dass wir spazieren gehen können

Mit Schrecken habe ich auf die Ausgangssperren in anderen Ländern geschaut und ich bin die ganze Zeit schon sehr dankbar, dass es bei uns „nur“ Kontaktbeschränkungen gibt. Wir können uns auf den Weg vor die Tür machen und spazieren gehen. Ich hatte große Befürchtungen, wie das wohl sein würde, wenn ich nicht mehr ausreichend auf meinen Füßen draußen unterwegs sein könnte. Spazierengehen bekommt in der Coronakrise wieder Bedeutung. Man geht raus in die Natur. Auch der Spaziergang „um den Block“ wird wiederbelebt. Und weil alles ausfällt und abends nichts stattfindet, macht man sich auf zum Abendspaziergang. Für manche wird auch der Weg in den Supermarkt zu einem bewussteren Vorgang des Draußenseins.

 

6 Ideen für Ge(h)spräche


1. DraußenWegZeit

In den Bildungsurlauben der Fachstelle Alter der Nordkirche ist die „DraußenWegZeit“, die eigentlich eine „InselWegZeit“ ist, weil die Seminare auf der Insel stattfinden, ein zentraler Lern- und Erfahrungsort, bei dem die Teilnehmenden auf andere Weise noch einmal die Themen im wahrsten Sinne des Wortes bewegen und damit auch vertiefen können. Schon Søren Kierkegaard sagte: „Zu meinen besten Gedanken bin ich gegangen. Es gibt nichts, was sich nicht auf einem Spaziergang klärt.“

Foto: Pasja1000 | Pixabay


2. „Geh-spräch“ zu zweit

Viele verabreden sich derzeit mit einer weiteren Person im wahrsten Sinne des Wortes zu einem „Geh-spräch“. Mit Abstand geht man nebeneinander her und spricht. Man ist im „Geh-spräch“ zu zweit. Das tut der Seele zutiefst gut.

 

3. „Pastor to go“

Seelsorge im Amtszimmer der Pastores – auch das geht gerade nicht. Hier und dort finden nun Seelsorgegespräche draußen auf dem Weg oder auf der Wiese statt. Oder, wie in der Evangelischen Zeitung zu lesen war: „Die Kirchengemeinde St. Nicolai in Wyk auf Föhr bietet ab sofort einen „Pastor to go“ an: Wegen der geltenden Abstands- und Kontaktregelungen lädt der Pastor Interessierte zu jeweils einstündigen Spaziergängen im Freien mit maximal einer Person ein – natürlich unter Einhaltung des zulässigen Abstands von eineinhalb Metern. Schweigend oder im Gespräch könne das „den Kopf frei machen“, ist der Pastor überzeugt. Zum Gespräch meldet man sich telefonisch an.“

 

4. „Spazier-Geh-Paten“

Tanja Maury-Butenschön von der Anlaufstelle Nachbarschaft der Diakonie Alholstein hat die Idee der Vermittlung von „Spazier-Geh-Paten“ im Kopf. So müssen ältere, alleinstehende  Menschen im Quartier nicht alleine spazieren gehen – gerade jetzt, wo Bewegung, frische Luft und wohltuende Gespräch wichtiger denn je sind.

 

5. Kompetente Alltagsseelsorge in den Nachbarschaften fördern – jetzt, aber auch später

Corona füttert das Monster Einsamkeit, sagt Zukunftsforscher Matthias Horx. Pastorinnen und Pastoren sind ansprechbar. Es ist aber auch wichtig, dass es neben den Seelsorgerinnen und Seelsorgern auch andere Personen gibt, die angesprochen werden können, für Gespräche zur Verfügung stehen und andere besuchen, nicht nur in Pflegeheimen. Wichtig dabei: Keine Angst vor schweren Themen.

„Diese kompetente Alltagsseelsorge brauchen wir in den Nachbarschaften“ – davon ist Pastorin Melanie Kirschstein von der Fachstelle ÄlterWerden im Kirchenkreis Hamburg West/Südholstein zutiefst überzeugt. Sie gibt den Hinweis, die Corona-Krise als Anlass zu nehmen, jetzt schon über Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche nachzudenken, die in der Zeit nach Corona oder dann, wenn es die staatlichen Vorgaben wieder ermöglichen, durchgeführt werden können. Für diese „Zeit danach“ stellt Pastorin Fanny Dethloff von der Klinikseelsorge Preetz ihren Rohentwurf „Basiskurs Seelsorge“ anderen zur Verfügung – ein Konzept zum Nachmachen und Weiterstricken, sobald es wieder möglich ist. Das Konzept zum Downloaden finden Sie am Ende dieses Artikels.

 

6. ZEIT ZU ZWEIT – auch ein Modell für eher später, doch reduziert vielleicht schon heute möglich

In mehreren Kirchengemeinden in Hamburg sind Gruppen für ZEIT ZU ZWEIT schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich im Einsatz. Hier werden Interessierte eingeladen, sich für eine befristete Zeit auf eine Reihe von wöchentlichen Besuchen bei einem älteren Menschen in dessen häuslicher Umgebung einzulassen. Die Teilnehmenden werden, begleitend zu ihren Besuchen, durch ein Kursprogramm geschult und zu Fallgesprächen eingeladen.

Womit die einzelnen Besucherpaare ihre ZEIT ZU ZWEIT verbringen, entscheiden sie selbst. Normalerweise können das gute Gespräche beim Kaffeetrinken und bei Spaziergängen sein, sowie gemeinsames Lesen, Musikhören, Stricken, Kochen und Backen u.v.m. Hauptsache ist, dass sich zwei Menschen begegnen und eine schöne Zeit miteinander erleben können.  

Für die heutigen Umstände angepasst wäre Spaziergehen vielleicht ein guter Beginn. Oder man trifft sich draußen zu einem kleinen Picknick; natürlich mit dem erforderlichen Abstand und jede*r bringt sich selbst etwas mit. Je nachdem was die dann Zeit bringt, können dann später vielleicht auch wieder weitere Aktivitäten dazu kommen.

Einen Überblick zum Konzept finden Sie im Anhang. Darin enthalten sind auch Kontaktdaten, falls Sie mehr dazu erfragen möchten.