Von draußen nach drinnen – Singen, Musizieren und Andachten in den Innenhöfen von Senioreneinrichtungen

Italien: Menschen singen von den Balkonen! Das bringt auch viele bei uns auf Ideen, wie man von Balkonen und Fenstern, aus Innenhöfen heraus mit anderen in Verbindung stehen kann. Die Musik ist dabei ein tragendes Element.

Lasst uns losziehen und musizieren!

Foto: Ben White | Unsplash

In den Nachrichten liest man überall von Einrichtungen der Altenpflege, deren Bewohner*innen und Personal mehr und mehr unter dem Coronavirus leiden. Auch für die Angehörigen und Ehrenamtlichen ist es schwer, die Älteren gerade jetzt in diesen herausfordernden Zeiten in den Einrichtungen nicht besuchen zu dürfen. Wie kann es in solch einer schwierigen Situation gelingen dennoch Kontakt zu halten? Eine Reihe von Beispielen möchten wir heute vorstellen: Menschen, die mit Musik Kontakt herstellen und die damit die Gedanken für eine kleine Weile leichter werden lassen.

 

Erfahrungen und Ideen aus verschiedenen Einrichtungen

  • Die Grundschullehrerin Hanne Pries macht sich auf den Weg ins Awo-Servicehaus in Kiel-Suchsdorf. Im Innenhof des Hauses stellt sie ihren Notenständer auf. Sie singt Volkslieder, plattdeutsche Lieder und anderes bekanntes Liedgut. Ihren Gesang begleitet sie mit der Gitarre. Die Bewohnerinnen und Bewohner öffnen die Fenster oder stehen an ihren Türen oder gehen auf den Balkon. Sie hören zu und singen mit. Je länger das Musizieren dauert, desto lockerer wird die Atmosphäre. Die Seniorinnen und Senioren beginnen, sich zur Musik zu bewegen. Bis vor kurzem kam Hanne Pries regelmäßig mit ihrer Schulklasse ins Altenheim. Jetzt organisiert sie einen Briefwechsel zwischen den Kindern und den Bewohnerinnen und Bewohnern. Die Einrichtungsleiterin überlegt nun, ob nicht auch Gymnastik oder Tanz vom Innenhof aus angeboten werden könnte.
  • Pastor Ralph Thomas Knippenberg aus Garding begibt sich auf den Weg ins Alten- und Pflegeheim. Auch er nutzt den Innenhof des Gebäudes. Was für ein Geschenk, dass die Sonne vom Himmel lacht. Die Bewohnerinnen und Bewohner lauschen bei geöffneten Fenstern seiner kurzen Predigt. Gesungen wird auch. Die Kirchenmusikerin hat die Orgel in der Kirche gelassen und kommt mit dem Akkordeon zu den alten Menschen. Sie begleitet vertraute Melodien. Dieser 20 minütige „Open-Air-Gottesdienst“ ließ alle ein wenig Aufatmen, er weckte Freude in den Herzen und schenkte das Gefühl von Verbundenheit. Eindrücke gibt es auf hier.
  • Auch die Demenzgruppe der Pflege Diakonie Altholstein im Gustav-Schatz-Hof in Kiel bekam Musik gebracht. Sebastian Kreuzer vom Jungen Theater in der Werfststraße sang 20 Minuten lang im Innenhof Lieder aus verschiedenen Jahrzehnten. Wie viele seiner Kollegen sitzt auch er zur Zeit zu Hause. Er freut sich, mit dem kleinen Konzert Sinnvolles tun zu können und alte Menschen zu erfreuen: „Es war so schön, es wurde geklatscht und mitgetanzt.“ Und eine 93 jährige Dame bekam auch noch ein Geburtstagsständchen gebracht.
  • Ute Zeißler von der Fachstelle ÄlterWerden im Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein hat die Idee, dass gemeindliche Chorleitungen ein „Singalong“ organisieren könnten. In Innenhöfen oder im Garten von Pflegeheimen singt man gemeinsam bekannte Lieder wie „Die Gedanken sind frei“ oder „Im Märzen der Bauer“ o.ä. Die Chorleitung steht draußen im Hof oder im Garten und die Bewohnerinnen und Bewohner singen vom Balkon oder aus dem Fenster heraus mit. Liederzettel sind schnell kopiert und verteilt. Die, die nicht mehr singen können, bekommen durch das geöffnete Fenster bestimmt etwas vom Gesang mit. Und warum sollte von dort aus nicht auch eine Pflegerin oder ein Pfleger kräftig mitsingen. Das Ganze mit dem Handy aufgenommen und ins Netz gestellt oder auf einer der zahlreichen Nachbarschaftsplattformen wie nebenan.de geteilt, könnte auch andere zum Nachmachen animieren.
  • Ein Aufruf: Bei proud2help (dt. stolz-zu-helfen), einer Internetplattform für Nachbarschaftshilfe, lesen wir das Gesuch eines Standortleiters für mehrere Pflegeeinrichtungen der Lafim-Diakonie in Potsdam: "Ich suche Künstler, die „im Hof“ für die Bewohner musizieren, Geschichten erzählen, zaubern, tanzen oder Theater spielen... Die Beschäftigung in den Häusern ist gerade stark eingeschränkt, so dass das verhängte Besuchsverbot noch drastischere Auswirkungen für die seelische Gesundheit der Bewohner hat...wir suchen Ablenkung für die Bewohner - wenn es nur vor dem Fenster ist!" – Der Bedarf ist vorhanden. Sicherlich geht es anderen Einrichtungen ähnlich. Vielleicht können Sie ja etwas in der Art auch für Einrichtungen in Ihren Orten anbieten?

 

► Schreiben Sie uns, was Sie in Innenhöfen von Senioreneinrichtungen veranstalten. Wir ergänzen es gern.